IHK Neubrandenburg fordert von der Politik: Geplante Belastungen für die Wirtschaft aussetzen

Am 24.05.2022 präsentierte die IHK Neubrandenburg die Ergebnisse ihrer aktuellen Konjunkturumfrage für das östliche M-V.
Demnach hat sich die Stimmung in der regionalen Wirtschaft zum Frühsommer leicht eingetrübt. Zwar nennen 86 Prozent der befragten Unternehmen ihre Lage „befriedigend“ oder „gut“ – dank voller Auftragsbücher. Aber ihre Geschäftserwartungen sind von deutlich mehr Unsicherheiten geprägt.

„Gestörte Lieferketten, gestiegene Energie- und Rohstoffpreise, mangelnde Fachkräfte und höhere Arbeitskosten: Corona und der Ukraine-Krieg verlangen den Unternehmen immer noch viel ab“, begründet IHK-Hauptgeschäftsführer Torsten Haasch die verhaltenen Ergebnisse. Die nach der Pandemie eisnetzende Nachfragsteigerung trifft auf pandemiebedingte Lieferschwierigkeiten, auf Grund des Ukraine-Krieges zusammengebrochene Lieferketten und den Fachkräftemangel. Die Gewinnmargen eines großen Teils der Unternehmen sind unter Druck. Entsprechend beurteilen nur noch 54 Prozent der Unternehmen ihre Finanzlage als unproblematisch. Zu Jahresbeginn waren das noch 61 Prozent. Liquiditätsengpässe, Eigenkapitalrückgang und Fremdkapitalbelastungen bremsen geplante Investitionen aus. Die sich zunehmend zu Gunsten von Rationalisierungsinvestitionen (29 Prozent) verschoben haben. Gleichzeitig ist auch die Einstellungsbereitschaft vieler Unternehmen auf Grund der Risiken zurückgegangen – obgleich nach wie vor 41 Prozent der Unternehmen offenen Stellen längerfristig nicht besetzen können.

Zusätzlich befürchtet Haasch, dass weitere, von politischen Vorhaben ausgehende Belastungen in dieser prekären Situation die Unternehmen überfordern werden. Beispielhaft nennt er den nationalen Emissionshandel, das Lieferkettengesetz, die EU-Taxonomie bei Finanzierungsprojekten oder die Verschärfungen der Öko-Designrichtlinie.

Insofern fordert Haasch die Politik in der aktuellen Krisensituation auf, solche und ähnliche Vorhaben zu verschieben oder zeitweise auszusetzen.

Weitere Ergebnisse der Konjunkturumfrage:

  • 85 Prozent der befragten Unternehmen sind von höheren Einkaufspreisen für Energie, 71 Prozent von höheren Einkaufspreisen für bezogene Waren und 67 Prozent von gestiegenen Arbeitskosten betroffen.
  • 38 Prozent der Unternehmen konnten die Kostensteigerungen bislang an ihre Kunden weiterreichen – ein Drittel davon vollständig, zwei Drittel nur teilweise. 17 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass ihnen eine Weitergabe der Kosten aufgrund langfristiger Vertragsverpflichtungen nicht möglich ist.
  • 38 Prozent der Unternehmen erwarten eine Verschlechterung ihrer Geschäftsentwicklung, 10 Prozent eine Verbesserung ihrer Geschäftsentwicklung.

Diese äußerst bescheidenen Geschäftserwartungen führen dazu, dass die Unternehmen weniger investieren wollen. Demnach planen

  • 38 Prozent mit niedrigeren Investitionsausgaben,
  • nur 16 Prozent mit höheren Ausgaben.

„Der Anstieg der Investitionen, der einem Aufschwung nach einer Krise wie der Corona-Pandemie typischerweise Schwung verleiht, wird ausgebremst“, erklärt Torsten Haasch.

Für die Umfrage wurden von Anfang April bis Anfang Mai 2022 rund 900 Unternehmen aus Industrie, Bau, Handel, Dienstleistungen, Verkehrs- und Gastgewerbe befragt. Davon hat rund ein Drittel geantwortet.

PM/IHK