Im Dezember 2021 waren mit 10.373 Arbeitslosen in der Seenplatte 510 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als im November 2021. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 8 %. Im Vergleich zum Dezember 2020 sind das 1.405 Arbeitslose weniger.

Angesichts der Schwere der wirtschaftlichen Herausforderung infolge der Pandemie zeigt sich der Arbeitsmarkt widerstandsfähig. Die Arbeitslosigkeit ist im Dezember allein aus jahreszeitlichen Gründen gestiegen. Dabei liegt der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Dezember mit 510 nur gering über dem 5-Jahresmittelwert (vor Corona) von 478. Und das trotz nicht optimaler Bedingungen für die Wirtschaft – wie etwa der anhaltenden globalen Lieferengpässe und dem erneuten Anziehen der Corona-Pandemie. „Im Dezember 2021 steigt saisonbedingt die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat November 2021 an. Das gilt insbesondere für die Tourismusregionen in der Seenplatte. Insgesamt haben jedoch der bisher milde Winter und die konjunkturelle Erholung auf dem den Arbeitsmarkt dazu geführt, dass die Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten Stand eines Dezembers seit über 30 Jahren gefallen ist“, sagte Arbeitsagenturchef Thomas Besse.

„Der Arbeitsmarkt in der Seenplatte weist im zu Ende gehenden Jahr 2021 einen erfreulichen Trend auf. Selbst der zweite Lockdown bis Mitte Mai 2021 unterbrach die Rückgänge der Arbeitslosenzahlen nur kurzzeitig. Angesichts der ungewöhnlich positiven Reaktion des Arbeitsmarktes sind aber auch wesentliche strukturelle Ursachen auszumachen. In erster Linie ist dabei die Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit zu nennen. Das Risiko langzeitarbeitslos zu werden ist seit Beginn der Pandemie deutlich angestiegen. Im April 2021 waren zum ersten Mal Menschen länger als ein Jahr arbeitslos, die aufgrund der Corona-Pandemie ihren Job verloren haben. Bis Mitte Dezember 2021 betraf dies 4.894 Frauen und Männer, die in den letzten 12 Monaten keine Arbeit aufnehmen konnten und jetzt langzeitarbeitslos sind“, sagt Besse. Zwar ist der Höchststand mit jahresdurchschnittlich 7.973 Langzeitarbeitslosen (Anteil an allen Arbeitslosen: 33 %) aus dem Jahr 2008 noch nicht erreicht, aber mit einem Anteil an allen Arbeitslosen in der Seenplatte von aktuell 47 % (Dezember 2019: 38,4 Prozent) sieht Besse die Anstrengungen der Arbeitsmarktpolitik der letzten Jahre gefährdet und betont: „Maßnahmen und Initiativen gegen Langzeitarbeitslosigkeit sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Diese kann nicht von der Arbeitsagentur allein gelöst werden, sondern erfordert gemeinsame Anstrengungen aller Partner am Arbeitsmarkt.“

Kurzarbeit sichert Arbeitsplätze und verhindert Arbeitslosigkeit
Die vierte Corona-Welle mit ihren Auswirkungen auf das öffentliche Leben verunsichert Unternehmen besonders betroffener Wirtschaftsbranchen.  Daher befürwortet Besse ausdrücklich die Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld auf bis zu 24 Monaten und die Zugangserleichterungen für Betriebe und Unternehmen um weitere drei Monate bis zum 31. März 2022 zu verlängern. „Diese Verlängerung und auch die des erleichterten Zugangs zur Grundsicherung etwa für Selbständige sind eine richtige Entscheidung, um die schrittweise Erholung am Arbeitsmarkt weiter zu stabilisieren. Kurzarbeit zeigt sich als wirksames Instrument zur Sicherung von tausenden Arbeitsplätzen – in der Seenplatte – während der COVID-19-Pandemie.“

Ohne Kurzarbeit läge die Arbeitslosigkeit noch einmal deutlich höher. Bis Mitte Dezember wurde für 1.815 Menschen im Landkreis vorsorglich Kurzarbeit angezeigt. Nach aktuellen Hochrechnungen befanden sich im Juli 2021, 1.272 Mitarbeitende – aus 320 Unternehmen – in Kurzarbeit.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der Seenplatte im Überblick

  • Arbeitslose insgesamt: 373, +510 zu November 2021, -1.405 zu Dezember 2020
  • Arbeitslosenquote in der Seenplatte: 8 %
  • Anstieg der Arbeitslosigkeit nur gering über dem 5-Jahresmittelwert (vor Corona)
  • Jugendarbeitslosigkeit (unter 25-Jahre): Anstieg ausschließlich bei Jugendlichen ohne Berufsabschluss
  • Knapp 3 000 freie Stellen gemeldet
  • Niedrigste Quote: Waren (6,6 %), höchste Quote: Demmin (10,6 %)
  • Corona-Pandemie hat besonders langzeitarbeitslose Menschen hart getroffen
  • Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten Stand eines Dezembers seit über 30 Jahren

Gemeldete Arbeitsstellen
Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen ist auf 2.959 Stellen gestiegen. Gegenüber Dezember 2020 bedeutet dies ein Anstieg von 500. Die Arbeitskraftnachfrage der Unternehmen lässt sich eindeutiger am Zugang an offenen gemeldeten Stellen seit Jahresbeginn ablesen: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank der Stellenzugang um 550 oder 7 %.

Die größte Nachfrage gab es im November 2021 aus den Bereichen: verarbeitendes Gewerbe (393 freie Stellen im Bestand), Baugewerbe (371), Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung (366), Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (322), Gastgewerbe (316). 

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Jahresbilanz 2021
Die Pandemie hat im Jahr 2021 Wirtschaft und Arbeitsmarkt vor große Herausforderungen gestellt. Dennoch ist die Arbeitslosigkeit ab dem Monat März 2021 kontinuierlich gesunken. Das auch durch den massiven Einsatz von Kurzarbeit – die stärkere Beschäftigungsverluste bisher verhindert hat. Damit hat sich die Kurzarbeit – zur Abfederung der Folgen der Corona-Krise – bewährt. Jahresdurchschnittlich hat sich die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Vorjahr verringert und blieb damit auf einem niedrigeren Niveau als zu Beginn der Pandemie befürchtet. Auch wenn die Arbeitslosenzahlen zurückgegangen sind, die Unsicherheiten am Arbeitsmarkt in der Seenplatte sind noch nicht vorbei. Denn der Fortgang Pandemie und die daraus erwachsenden Konsequenzen für den Arbeitsmarkt sind nur schwer abzuschätzen.

  • Die Zahl der Arbeitslosen lag im Jahresdurchschnitt bei 11,256. Damit waren 475 oder 4,1 Prozent weniger Männer und Frauen arbeitslos als 2020.
  • Das Kundenzentrum der Agentur für Arbeit, verantwortlich für den Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III), betreute im Jahr 2021 jahresdurchschnittlich 3.743 Männer und Frauen. Das sind 443 oder 11 Prozent weniger als in 2020.
  • Die Jobcenter im Landkreis, verantwortlich für die Grundsicherung nach dem zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB II), zählten im Jahresschnitt 7.512 Arbeitslose. Das sind 33 Personen oder 0,5 Prozent weniger als 2020.
  • Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt 8,7 Prozent. Ein Minus von 0,3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr 2020.
  • Die Zahl der Entlassungen lag 2021 in der Jahressumme unter dem Vorjahreswert von 10.112. Im Verlauf des Jahres 2021 mussten sich nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes 8.599 Männer und Frauen in der Seenplatte arbeitslos melden. Das waren 1.513 oder 15 Prozent weniger als vor einem Jahr.
  • Im Jahr 2021 beendeten mit 8.701 13 Männer und Frauen mehr ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Arbeit am ersten Arbeitsmarkt als vor einem Jahr.
  • Im Jahresverlauf 2021 meldeten die Unternehmen und Verwaltungen in der Seenplatte dem Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter insgesamt 6.995 offene sozialversicherungspflichtige Stellen. Das waren 550 oder 7 Prozent weniger freie Arbeitsplätze als im Vorjahreszeitraum.

Ausblick auf 2022
Die Arbeitsmarktentwicklung in der Seenplatte hat sich im Zuge der Covid-19-Pandemie gemessen an dem immensen wirtschaftlichen Schock bisher als vergleichsweise robust gezeigt. Dementsprechend bestehen aber mit Blick auf das hohe Infektionsgeschehen neuerliche Risiken. Wobei sich die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in der Seenplatte derzeit nur schwer abschätzen lassen. Im Zuge des konjunkturellen Aufschwungs rechnet die Arbeitsagentur für das Jahr 2022 mit einer Zunahme der Beschäftigung und einer weiter sinkenden Arbeitslosigkeit – deutlich stärker im konjunkturnahen SGB III – als im weniger konjunkturnahen SGB II-Bereich. Damit könnte die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2022 weiter sinken. „Jedoch zu beachten ist, dass auch für das Jahr 2022 die Prognosen für den regionalen Arbeitsmarkt mit großer Unsicherheit behaftet sind. Der Fortgang der Covid-19-Pandemie und die daraus erwachsenden Konsequenzen für den Arbeitsmarkt, beispielsweise aufgrund von Material- und Lieferengpässen, sind nur schwer abzuschätzen.

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