Pünktlich um 10 Uhr startete am 25.11.2021 der Live-Steam zur digitalen Auftaktveranstaltung #MSEwasserstoff der Wirtschaftsförderung Mecklenburgische Seenplatte GmbH (WMSE). Mit dem Schwerpunkt Mobilität und Logistik präsentierten Vertreter der kommunalen und der Bundespolitik, lokale und internationale Player der Wasserstofftechnologie – vom Erzeuger und Anbieter bis zu Entwicklern und Anwendern – gut drei Stunden lang die politischen Vorgaben und Erwartungen an die klimaschonende Zukunftstechnologie und bereits umgesetzte technische und infrastrukturelle Möglichkeiten.

Dirk Rautmann, Amtsleiter Zentrale Dienste im Landkreis MSE, betonte in seinem Grußwort mit der Zielsetzung eines emissionsarmen Öffentlichen Personennahverkehrs in fünf Jahren die Notwendigkeit von Entwicklungspartnerschaften. Wozu laut Rautmann auch das Veranstaltungsformat #MSEwasserstoff gehört. Dabei gab er seinem Wunsch Ausdruck und forderte die WMSE auf, das Format nach dem gelungenen Auftakt zu einer festen Größe und Netzwerkplattform für den Landkreis MSE auszubauen.

Dies befürwortete auch Dr. Christian Wolff von der Stadt Neubrandenburg. Als Initiator der Bewerbung MSEs als HyStarter-Region, bei der sich der Landkreis unter 200 Mitbewerberkonzepten durchsetzte, möchte Neubrandenburg mit seinen Partnern regional integrierte Konzepte zur Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie hinsichtlich Mobilität, Energieversorgung und Klimaschutz für den Landkreis entwickeln und fördern. Dr. Wolff forderte die mehr als 50, die Veranstaltung interessiert verfolgenden TeilnehmerInnen auf, sich gerne zu beteiligen, wenn es Mitte 2022 losgeht mit dem HyStarter-Projekt in MSE.

Losgegangen ist das Thema laut Dr. Fabian Sösemann von der GP JOULE GmbH (Reußenköge) längst. Am Beispiel der GP JOULE-Wasserstofferzeugungs- und Tankstellenprojekte in Norddeutschland zeigte Dr. Sösemann die Anforderungen, Vorteile und Möglichkeiten für kommunale und privatwirtschaftliche Nutzer auf. Dies auch hinsichtlich eines geplanten EU-weiten Ausbaus des Wasserstoff-Tankstellennetzes zu Tankmöglichkeiten alle 150 km an europäischen Hauptverkehrsachsen. Sösemann erwartet zukunftsorientiert eine große Dynamik in der Entwicklung der Wasserstofftechnologie – allein schon wegen der vielfältigen energetischen und klimaschonenden Möglichkeiten: „Wasserstofftechnologie kann Leistungsspitzen aus dem Netz nehmen, Rückverstromung ermöglichen, Energiespeicher und alternative grüne Energiequelle sein.“

Bestätigt wurde diese Erwartung durch Axel Blume, Programm Manager Mobilität- und Kraftstoffstrategie der NOW GmbH (Berlin). Von Bundesministerien beauftragt, Förderprogramme im Bereich nachhaltige Mobilität und Energieversorgung zu koordinieren, ist NOW Experte für aktuelle BMVI-Förderrichtlinien zu Wasserstoff-Bussen und -LKW. Eindeutige Botschaft Blumes vor diesem Hintergrund: „Bezogen auf die politische Maßnahmenplanung bis 2030 ist hinsichtlich der Förderung von Fahrzeugen und Infrastruktur in unterschiedlichen Fördermodulen für jeden Antragsteller etwas dabei. Allein bei Bussen stehen bis 2025 rund 1,25 Milliarden Euro zur Verfügung.“

Bei den folgenden drei Rednern wurde es technisch.
João Paulo Rosado Caeiro, Sales and Business Development Manager bei CaetanoBus (Wiesbaden), gab neben der Vorstellung des größten Herstellers von Karosserien und Bussen auf Fahrgestellen diverser Hersteller in Portugal, umfassende Einblicke in das Produktsortiment und den Bau von Wasserstoff-Bussen für den weltweiten Einsatz in öffentlichen und privaten Transportunternehmen. Von denen erste Fahrzeuge auch bereits in Deutschland im Einsatz sind.
Lutz Tesmer, Projektmanager der Faun Umwelttechnik GmbH & Co.KG (Osterholz-Scharmbeck) ging in seiner Präsentation auf die technische Umrüstung von Müllfahrzeugen und Kehrmaschinen mit Wasserstoffantrieben bzw. von Brennstoffzellen-LKW ein. Neben der großzügigen Förderung sieht Tesmer die anhaltenden Fortschritte in Energiegewinnung, -management und Fahrzeugtechnologie verantwortlich für die wachsende Nachfrage nach emissionsarmen oder
-neutralen Nutzfahrzeugen. Trotz der vergleichsweise hohen Kosten von bis zu 750.000 Euro pro Fahrzeug.
Während Caetano und Faun Neufahrzeuge auf Wasserstoff- oder Brennstoffzellenbasis bauen, stellte Markus Körner, Service- und Vertriebsleiter der CleanLogistics SE (Hamburg), die Möglichkeiten des Umbaus vorhandener Fahrzeuge vor. Was aus Kosten- aber auch Praktikabilitätsgründen zahlreiche Vorteile für Nutzfahrzeug-Flottenbetreiber haben kann. Und angesichts des wachsenden Bewusstseins und der steigenden Nachfrage bei den Möglichkeiten gerade der norddeutschen Bundesländer für diese viel Entwicklungs- und Standortpotential beinhaltet.

Dem schloss sich Sabine Lauffer, Geschäftsführerin der WMSE, Gastgeberin und Moderatorin der Veranstaltung in ihrem Schlusswort an: „Die Auftaktveranstaltung zu #MSEwasserstoff hat einen weiten Reigen gespannt von kommunalen und lokalen Playern über die Bundespolitik bis zu den Praktikern und deren weit fortgeschrittene technische Möglichkeiten der Umsetzung von Wasserstofftechnologie. Damit stehen wir nicht nur energetisch und in Sachen Klimaschutz in einer Zeit des Umbruchs, sondern auch am Anfang einer neuen Industrialisierung mit neuen Möglichkeiten und Herausforderungen. Nehmen wir sie an!“

Die nächste #MSEwasserstoff ist für das Frühjahr 2022 geplant.

Die Vorträge der #MSEwasserstoff-Auftaktveranstaltung und die Kontaktdaten der Redner stehen zum Download bereit unter: https://wirtschaft-seenplatte.de/download/