Wie stehen die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern zum Tourismus? Diese Frage ist Gegenstand der aktuellen und für MV ersten repräsentativen Studie „Tourismusakzeptanz in der Wohnbevölkerung“, die am 08.09.2021 vom Landestourismusverband im Ostseebad Kühlungsborn vorgestellt wurde. Sie ist Teil eines deutschlandweiten Forschungsprojektes des Deutschen Institutes für Tourismusforschung (DITF) der FH Westküste. Deutlich wird: Die Mehrheit der Menschen in MV schätzt den Tourismus im Land. Dennoch hegt ein Teil der Bevölkerung auch Befürchtungen, dass es bereits zu voll ist. Diese Vorbehalte treten besonders in den Tourismusschwerpunkträumen auf, allen voran bei der Bevölkerung Usedoms.

„Der Tourismus hat sich im Laufe der Jahre zu einer Wirtschaftsgröße im Land entwickelt. Unsere Urlauber tragen durch ihren Aufenthalt vielfältig zur Stärkung der Branche und somit auch zur Belebung der regionalen Wirtschaft bei. Die Gäste gehen einkaufen, nutzen Freizeiteinrichtungen und genießen Kultur im Land. Das sorgt im Ergebnis für mehr Wertschöpfung. Gäste sind bei uns zu jeder Zeit herzlich willkommen. Für die Bedeutung und das Verständnis im Tourismus müssen wir weiter intensiv werben. Die Akzeptanz muss auf breite Füße gestellt werden, damit der Tourismus vor Ort gelebt wird“, betonte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe vor Ort. Etwa 131.000 Erwerbstätige seien im Tourismus beschäftigt.

Wolfgang Waldmüller, Präsident des Tourismusverbandes MV ergänzte: „Auf dem Weg zu einer allseitigen Akzeptanz müssen wir verstärkt prüfen, ob der Tourismus für die Menschen vor Ort funktioniert, ob sie dessen positiven Aspekte erkennen, gut vom oder mit dem Tourismus leben können. Ohne dies kann in Zukunft kein Konzept und keine Strategie nachhaltig tragen.“

Die Erkenntnisse der nun veröffentlichten Studie markieren einen wichtigen Meilenstein für die im Mai 2020 gestartete, auf mehrere Jahre angelegte und beim Landestourismusverband angesiedelte Initiative „Wir sind Urlaubsland“. Deren Ziel ist es, den Blick verstärkt auf die einheimische Bevölkerung zu richten, in Dialoge und Diskussionen zu treten und eine verbesserte Tourismuskultur im Urlaubsland mit möglichst hoher Akzeptanz zu erreichen.

Das Wirtschaftsministerium unterstützt seit 2020 und noch bis September 2023 eine Kampagne zur Absicherung des Neustarts des Tourismus mit rund 2,1 Millionen Euro aus dem MV-Schutzfonds. Die Umsetzung erfolgt über den Landestourismusverband.

Kernergebnisse der Akzeptanz-Studie 

Positiv: Tourismus schafft Arbeitsplätze und fördert die Wirtschaft

  • 73 Prozent der Befragten sehen, dass Tourismus attraktive Arbeitsplätze schafft,
  • 86 Prozent glauben, dass Tourismus die lokale Wirtschaft fördert,
  • 67 Prozent sagen, dass Tourismus zum Erhalt der Kultur beiträgt,
  • 53 Prozent nehmen ein vielfältigeres Freizeitangebot wahr

Negativ:

  • 45 Prozent der Befragten sagen, es ist zu voll,
  • 59 Prozent finden, dass Tourismus zur Belastung der Natur beiträgt,
  • 53 Prozent sind der Meinung, dass Tourismus für einen Preisanstieg sorgt,
  • 66 Prozent erkennen keine Steigerung der Lebensqualität.

Alle Effekte – ob positiv oder negativ – kommen in der Saison stärker zum Tragen als in der Ganzjahresbetrachtung.

„Es geht bei uns im Land im Tourismus künftig stärker um Qualität statt Quantität. Es kommt viel mehr darauf an, ob beispielsweise geplante touristische Vorhaben in die Region und die vorhandene Infrastruktur passen. Ein weiteres Ziel ist die noch stärkere Verknüpfung mit anderen Wirtschaftsbereichen der regionalen Wertschöpfung. Für neue Vorhaben ist zu prüfen, ob sie die touristische Angebotspalette des Landes ergänzen und qualitativ aufwerten. Wichtig ist auch, dass der Ganzjahres-Tourismus weiter gestärkt wird“, betont Wirtschaftsminister Harry Glawe.

Wahrnehmung des Tourismusaufkommens ist regional und altersbedingt differenziert

Ein zu hohes Gästeaufkommen an Tages- und Übernachtungstourismus sehen: 67 Prozent Usedomer, 30 Prozent Rüganer, 23 Prozent der Bewohner der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, 2 Prozent Mecklenburg-Schwerin, 3 Prozent in Schwerin, 6 Prozent in MSE, 7 Prozent in Vorpommern
Zu viel Tourismus sehen altersbedingt unterschiedlich : 42 Prozent der Menschen bis 34 Jahre,35 Prozent der 35 bis 64-Jährigen, 34 Prozent der über 64-Jährigen

Dazu Wolfgang Waldmüller: „MV ist das Bundesland mit der höchsten Tourismusintensität in Deutschland. Belastungen zu bestimmten Zeiten bleiben nicht aus und sind bis zu einem bestimmten Punkt und für einen gewissen Zeitraum erträglich. Wir müssen dennoch darüber reden, ob, wie und wo Tourismus ausgebaut werden kann und wie wir die Besucher besser lenken, sodass sich zeitlich und räumlich eine bessere Verteilung ergibt.“

Lösungsansätze zur Verringerung der Negativeffekte

Folgende Bereiche gehören laut der befragten Bevölkerung zu den priorisierten Ansatzpunkten zum Verringern negativer Effekte durch den Tourismus: Es müssen Antworten auf Verkehrsprobleme gegeben werden, der Umweltschutz muss verbessert werden, die Mitbestimmung/Beteiligung der Einwohner bei touristischen Projekten beachtet und auch die Information darüber muss gegeben sein.

Menschen in MV schätzen die Wirkung des Tourismus auf ihren Wohnort positiver ein als für sich persönlich

Für die wissenschaftliche Berechnung der Einstellungen zum Tourismus hat das DITF der FH Westküste die Kenngröße Tourismusakzeptanzsaldo (TAS)* geschaffen. Dabei wird unterschieden, ob die Einstellungen der Wohnbevölkerung zum Tourismus bezogen auf den Wohnort (TAS-W) oder persönlich (TAS-P) abgefragt wurde. Der TAS-W liegt mit 60 für MV deutschlandweit am höchsten und damit vor Sachsen und Niedersachsen. Der TAS-P liegt mit 25 ebenfalls im positiven Bereich und zwar leicht über dem Deutschland-Wert (24). Allerdings stehen Niedersachsen, Hessen und Sachsen im Deutschlandvergleich an der Spitze. MV rangiert auf Platz neun. Das heißt, unter anderem in den drei genannten Bundesländern nehmen die Menschen die Auswirkungen des Tourismus auf sie persönlich positiver wahr.

Dazu Dr. Sabrina Seeler, FH Westküste und Mitglied im Deutschen Institut für Tourismusforschung (DITF): „In keinem anderen deutschen Bundesland werden die Auswirkungen des Tourismus auf den eigenen Wohnort so positiv durch die Einheimischen wahrgenommen wie in MV. Fragt man die einheimische Bevölkerung nach den Auswirkungen des Tourismus auf sie persönlich, fällt der Akzeptanzwert zwar ebenfalls positiv, jedoch deutlich geringer aus. Dies zeigt, dass die Bedeutung des Tourismus für den eigenen Wohnort durch die Einheimischen wahrgenommen und beispielsweise erkannt wird, dass Tourismus die lokale Wirtschaft fördert, Einheimischen jedoch der Beitrag zur eigenen Lebensqualität noch nicht ausreichend bewusst ist. Um eine langfristig positive Tourismusentwicklung zu realisieren, bedarf es der Zufriedenheit und Akzeptanz der lokalen Bevölkerung. Zur Steigerung des Tourismusakzeptanzwerts bezogen auf die wahrgenommenen persönlichen Auswirkungen werden daher konkrete Maßnahmen der Binnenkommunikation benötigt.“

Austausch erbeten: Dialogplattform „wirsindurlaubsland.de“ und Kurzfilmserie „Tourismus bringt MV nach vorn!“

Informieren, engagieren, diskutieren heißt es auf der neuen Internetseite wirsindurlaubsland.de des Landestourismusverbandes, die am 08. September 2021 an den Start ging und als Dialogplattform zum Thema Tourismus für interessierte Partner und Bürger angelegt ist. Hier bietet sich ein Überblick über aktuelle Themen, die im Rahmen der Initiative „Wir sind Urlaubsland“ bearbeitet werden. In einer Rubrik werden zum Beispiel Angebote vorgestellt, die Rabatte für Einheimische beinhalten. Ergänzt wird auf der Seite noch eine Diskussionsplattform, auf der darüber gesprochen werden soll, wie das Urlaubsland attraktiver gestaltet werden kann. Darüber hinaus ist hier ab sofort die neue Kurzfilmserie „Tourismus bringt MV nach vorn!“ zu sehen, die positive Effekte des Reisens für die Bevölkerung thematisiert. „Verständnis, Bewusstsein und Akzeptanz sind Basis für die Tourismuskultur in MV. Schritt für Schritt machen wir uns gemeinsam auf den Weg“, sagte Wolfgang Waldmüller abschließend.

*Der TAS-Index berechnet sich jeweils aus der Differenz der positiven und negativen Nennungen und kann einen Wert zwischen minus -100 (negative Einstellung) und plus +100 (positive Einstellung) annehmen.

PM/WM