„Trotz Pandemie haben die Unternehmen an ihrem Ausbildungsengagement festgehalten und sogar mehr Ausbildungsplätze angeboten. Auf der anderen Seite gibt es viele unbesetzte Lehrstellen. Den Unternehmen fällt es zunehmend schwerer, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. Die zentrale Herausforderung bleibt, die angebotenen Ausbildungsplätze und die Ausbildungswünsche in Einklang zu bringen. Insgesamt stehen genügend Angebote zur Verfügung, um allen ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen einen Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen“, bilanziert Arbeitsagentur-Chef Thomas Besse am 28.10.2021 auf der Jahrespressekonferenz.

  • 737 gemeldete Ausbildungsstellen (+1)
  • 302 BewerberInnen (-160)
  • 194 unbesetzte Berufsausbildungsstellen (-19)
  • 79 nicht vermittelte BewerberInnen (-15)

Von Oktober 2020 bis September 2021 haben sich insgesamt 1.302 Jugendliche bei der Neubrandenburger Arbeitsagentur, den beiden Jobcentern im Landkreis und im JugendserviceMSE gemeldet und bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz beraten lassen. Das sind 160 weniger (-11 %) als 2020. Im gleichen Zeitraum wurden 1.737 Lehrstellen gemeldet (+1 – +0,1 % zum Vorjahreszeitraum).

Aktuell sind noch 79 Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Demgegenüber stehen noch 194 freie Ausbildungsstellen (-19). Die rechnerischen Chancen auf eine Ausbildung haben sich damit gegenüber dem Vorjahr verbessert: Bis September 2021 gab es rechnerisch 435 mehr gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen als gemeldete Bewerber.

Thomas Besse: „Erfreulicherweise hat sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt in der Seenplatte gebessert. Trotz Pandemie haben die Betriebe, Unternehmen und Verwaltungen an ihrem Ausbildungsengagement festgehalten und sogar mehr betriebliche Ausbildungsplätze angeboten.“

Damit waren für junge Menschen die Chancen selten so gut wie jetzt. „Allerdings wird es für Unternehmen zunehmend schwieriger, Auszubildende zu finden,“ meint der Agentur-Chef.

Und betont: „Der aktuelle Bewerberrückgang hat nichts mit einem sinkenden Interesse junger Menschen an einer beruflichen Ausbildung zu tun. Vielmehr gehen wir davon aus, dass viele Meldungen unterblieben sind, weil die gewohnten Zugangswege zur Berufsberatung, z. B. über die Kontakte in der Schule eingeschränkt waren und durch digitale Angebote nicht vollständig ersetzt werden konnten. Darüber hinaus vermuten wir, dass sich auch ein Teil der jungen Menschen in der aktuellen Lage vom dualen Ausbildungsmarkt zurückgezogen hat und von vornherein auf Alternativen wie weiteren Schulbesuch oder ggf. ein Studium ausgewichen ist. Insgesamt lässt sich einschätzen, dass die Corona-Pandemie den jungen Menschen die Berufsorientierung und die Suche nach einem Ausbildungsplatz erschwert hat.“

Auch die zunehmende Studierneigung der Abiturienten lässt die Bewerberzahlen – für eine Ausbildung – zurückgehen. „Der Anteil der Jugendlichen, die einen höheren Schulabschluss machen möchten, wächst seit Jahren beständig“, stellte der Agenturchef fest. „Das Studium wird für immer mehr Jugendliche zum Ziel. Ich rate unseren Jugendlichen, sich auf ihre Stärken zu besinnen. Für die einen ist das Studium das Richtige, für die anderen die Berufsausbildung.“

40 Prozent der Bewerber (522) konzentrieren sich auf die zehn beliebtesten Ausbildungsberufe. „Genau wie vor zehn Jahren interessieren sich die Jugendlichen für die immer gleichen Berufe. Das ist so schade, denn es gibt so viel mehr interessante Ausbildungsberufe – insgesamt weit über 300. Hier ist unsere Beratung wichtig. Auch gibt es zu jedem Beruf weniger bekannte Alternativen. Allerdings müssen auch die Bewerbenden um einen Ausbildungsplatz mehr Flexibilität zeigen, sowohl was den Wunschberuf angeht, als auch die räumliche Mobilität. Viele Unternehmen haben ihre Anforderungsmerkmale schon deutlich gesenkt und investieren auch in Nachhilfe während der Ausbildungszeit.“ „Es ist allerdings zu befürchten, dass sich Unternehmen, die über Jahre keine qualifizierten Bewerber gefunden haben, aus der Berufsausbildung zurückziehen. Das gilt es zu verhindern,“ meint Besse.

Auf dem Ausbildungsmarkt beginnt jetzt mit dem sogenannten 5. Quartal die in diesem Jahr entscheidende Phase. Das Ende des Berufsberatungsjahres bedeutet nicht auch das Ende der Vermittlungsaktivitäten. Auch jetzt melden sich noch Jugendliche, die z. B. keinen Studienplatz erhalten haben oder eine weiterführende Schule abbrechen und nun doch eine duale Berufsausbildung anstreben. Gleichzeitig melden auch Betriebe noch freie Ausbildungsstellen für das bereits begonnene Ausbildungsjahr.

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