Erstmals wurden am 19. März 2018 in Neubrandenburg die Gewinner des Ideenwettbewerbs Ernährungswirtschaft aus-gezeichnet. Das Wirtschaftsministerium und die Hochschule Neubrandenburg hatten den Wettbewerb gemeinsam als Zusammenspiel von Wissenschaft und Wirtschaft für innovative Produkte, neue Verfahren und außergewöhnliche Wertschöpfungsansätze vorbereitet.

Schwerpunkte des Wettbewerbs mit 14 Bewerbungen waren die Themen gesunde Ernährung, technologische Innovationen sowie Prozessinnovationen. Für den gesamten Wettbewerb stellt das Wirtschaftsministerium Mittel in Höhe von bis zu zwei Millionen Euro für Projektförderungen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung.

Preisträger und Projekte:

Amaranth für vegane, glutenfreie, eiweißreiche Backwaren

Für die Entwicklung eines Verfahrens zur Aufbereitung und zum Einsatz von Amaranth in veganen, glutenfreien, eiweißreichen Backwaren neuer Generation erhielten die Projektpartner Bäckerei & Konditorei Reichau aus Grambin (Landkreis Vorpommern-Greifswald) und das Zentrum für Ernährung und Lebensmitteltechnologie gGmbH (ZELT) aus Neubrandenburg eine Auszeichnung.

Amaranth gilt als sogenanntes „Pseudogetreide“, dessen feinkörnige Samen wie Getreide verarbeitet werden können. Frei von Gluten ist Amaranth als Getreideersatz für Personen geeignet, die auf glutenfreie Nahrungsmittel angewiesen sind oder diese bevorzugen. Amaranthmehl ist für die Ausbildung großvolumiger Teigstrukturen, wie sie bei Brot nötig sind, nicht geeignet. Deshalb wird Amaranth zur Proteinanreicherung in Backwaren oft nur in geringeren Anteilen eingesetzt. Die Entwicklung eines spezifischen Verfahrens zum Backen mit Amaranthmehl und den dafür notwendigen Verfahrensumstellungen in Rohstoffvorbehandlung und Teigbereitung ist Kern des vorliegenden Forschungsvorhabens.

Rübenpressschnitzel für Lebensmittelindustrie, Pharmazeutik und Kosmetika

Zweiter Preisträger ist das Vorhaben „UltraPekt – Ultraschallgestützte enzymatische Extraktion von Zuckerrübenpektinen“ der Suiker Unie GmbH & Co. KG – Zuckerfabrik Anklam mit dem Zentrum für Ernährung und Lebensmitteltechnologie gGmbH (ZELT).

Aufgrund ihrer Fähigkeit, Gele zu bilden, sind Pektine in der Lebensmittelindustrie, der Pharmazeutik oder für Kosmetika ein unverzichtbarer Bestandteil vieler Produkte, bei denen Geliermittel, Verdickungsmittel oder Stabilisierungsmittel eingesetzt werden. Die Rohstoffe für die Pektinherstellung müssen teilweise über weite Entfernungen nach Deutschland importiert werden. Eine kostengünstige und ressourcenschonende Alternative könnte die Pektingewinnung aus Rübenpressschnitzeln, die bei der Zuckergewinnung in großen Mengen anfallen, darstellen. Gesamtziel des Projektes „Ultrapekt“ ist die Erforschung und Entwicklung eines Verfahrens für die Extraktion von Pektin aus Rübenpressschnitzeln. Durch den Einsatz der Leistungs-Ultraschall-Technologie in Kombination mit maßgeschneiderter Enzymtechnik können zelluläre Bindungen leichter aufgebrochen, das Pektin freigesetzt und zusätzliche Wertstoffe gewonnen werden. Zudem ermöglicht die Technologie eine Verringerung bzw. Vermeidung chemischer Lösungsmittel in der Produktgewinnung. Ein weiteres Ziel ist die Gewinnung von Folgeprodukten des Pektins, sogenannter Oligogalakturonide, die probiotische Wirkung besitzen und dadurch für gesundheitsfördernde Lebensmittel bzw. Lebensmittelzusatzstoffe interessant sein können.

Informationen zur Ernährungswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern nimmt die Ernährungsindustrie traditionell einen großen Stellenwert ein. Sie zeichnet sich durch eine große Zahl leistungsfähiger mittelständischer Unternehmen sowie ein qualitativ hochwertiges und vielfältiges Produktsortiment aus. Derzeit sind in den 86 Betrieben mit mehr als 50 Mitarbeitern insgesamt über 14.400 Mitarbeiter beschäftigt. Die Branche erwirtschaftete einen Jahresumsatz von rund 4,5 Milliarden Euro. Der Anteil der Ernährungsindustrie am Gesamtumsatz des verarbeitenden Gewerbes beträgt etwa 33 Prozent. Die Ernährungswirtschaft ist damit innerhalb des verarbeitenden Gewerbes sowohl gemessen an der Zahl der Beschäftigten als auch nach dem Umsatz der größte Industriezweig des Bundeslandes. Zu den bedeutendsten Produktionsbereichen gehören die Backwarenindustrie, die Fleischverarbeitung, die Milchverarbeitung, die Fischverarbeitung und die Getränkeherstellung.

PM/WM